Am 1. Juni 1599 berichtet der Pastor Johann Röpke zu Satow bei einer Kirchenvisitation: "Der Hof Gerdeshagen ist bei
Vicke von Oertzen Zeiten von eitel Bauerben gemacht." Diese Nachricht verrät, dass Gerdshagen schon seit ältester Zeit
ein Nebengut der Familie von Oertzen auf Roggow, bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts ein Bauernhof war. Vicke von
Oertzen, der von 1545 bis 1553 mit seinem Bruder Jürgen auf dem ebenfalls noch nicht sehr lange bestehenden Hof Gorow
wohnte, wird 1555 erstmalig als zu Gerdshagen wohnhaft erwähnt, ein Zeichen für den Erbau des Herrensitzes in Gerdshagen.
Seitdem war Gerdshagen immer ein Hauptgut derer von Oertzen und bildete oft eine eigene Linie der Familie.
Bis 1772 blieb die Familie v. Oertzen Eigentümer des Gutes, dann folgten verschiedene Eigentümer, von denen die
Mühlenbruchs, die Familie Kleinworth, Familie Eggers und Familie Wiskott zu erwähnen sind. Sie alle prägten entscheidend
das Aussehen des Dorfes und nicht zuletzt das Aussehen des Gutshauses, welches verschiedene Umbauten erfuhr.
Anfang des 19. Jahrhunderts erwirbt Caspar Friedrich Mühlenbruch, Dirigent und Komponist am Hof von Schwerin, das
Gutshaus. Zu dieser Zeit sind Felix Mendelsohn-Bartholdy und ein Jahr später seine Schwester Fanny zu Gast in Gerdshagen.
Felix Mendelsohn-Bartholdy bespricht mit Mühlenbruch einige Musikstücke und beide musizieren. Familie Mühlenbruch veranlasst zu seiner Zeit
den Bau großer Wirtschaftsgebäude in Gerdshagen sowie den Umbau des Gutshauses im neogotischen Stil.
1906 wird das Gut an Otto Wiskott, Hamburger Kaufmann, verkauft. Familie Wiskott bewirtscahftet bis 1945 das Gut mit ca. 450 Hektar. Zahlreiche Arbeiterkaten entstehen in dieser Zeit entlang der Dorfstrasse. Außerdem wird der Pferdestall erweitert: ein Kornspeicher wird angebaut.
Vom Glanz alter Zeiten war allerdings nach der Wende nicht mehr viel übrig. In den Jahren nach dem Krieg bis 1989 hat das
einstmals schöne Gutshaus stark gelitten. Die letzte Renovierung fand zu DDR-Zeiten statt. Dabei wurde die Fassade
entstellt. Auch die Umgebung wurde wenig gepflegt und erhalten.
Im Jahre 1999 kaufte Familie Arndt das Gutshaus von der Gemeinde Satow. Erst während der Sanierung im Jahre 2000 zeigte
sich der eigentliche Wert dieses in seiner Substanz weitgehend erhaltene Barockhaus, so dass das Gutshaus in die
Denkmalliste des Landkreises Bad Doberan eingetragen wurde.
Heute ist das Gut Gerdshagen ein für die Region Satower Land repräsentatives Denkmal, dessen Nutzung ein Nebeneinander
von privatem, öffentlichem, kulturellem und wirtschaftlichem Betriebskonzept darstellt.